Depression - vor allem Alte, Kranke und Arme leiden darunter
Neues Kompendium der Gmünder Ersatzkasse zu Epidemiologie
und Versorgung
BERLIN (te). Depression ist in der Bevölkerung inzwischen
weiter verbreitet als die Volkskrankheit Diabetes. Dabei ist die
Hospitalisierung bei Menschen mit schweren Depressionen zwischen
2000 und 2004 um 40 Prozent gestiegen.
Dies geht aus den Daten zur Epidemiologie und Versorgung hervor,
die ein Wissenschaftler-Team im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse
zusammengetragen und ausgewertet haben. Der erste Band der neuen
Wissenschaftlichen Reihe der GEK wurde gestern in Berlin vorgestellt.
"Geld macht eben doch glücklicher", bilanziert Anke
Bramesfeld von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eines
der Untersuchungsergebnisse für das Kompendium der GEK. Die
Mitherausgeberin hat die sozioökonomischen Bedingungen untersucht
und herausgefunden, daß Depressionen bei Menschen mit höherem
Einkommen offenbar seltener vorkommen.
Ziel der Autoren war es, medizinische, ökonomische und gesellschaftliche
Aspekte der Krankheit zu verbinden. So wird deutlich, daß
das mittlere Ersterkrankungsalter bei 31 Jahren liegt. Je älter
die Versicherten werden, desto häufiger wird Depression diagnostiziert.
Jeder vierte Betroffene wird zumindest einmal stationär behandelt.
Oft treibt die Krankheit die Menschen in die Frühverrentung.
Frauen sind signifikant häufiger betroffen als Männer.
Im ersten Halbjahr 2004 wurde bei 3,7 Prozent aller männlichen
Versicherten und 9,5 Prozent aller weiblichen Versicherten eine
Depression diagnostiziert. Zum Vergleich: Bei Diabetes betrug der
Wert fünf Prozent.
Für Mitherausgeber Friedrich-Wilhelm Schwartz von der MHH
sind solche Informationen wichtig für ein besseres Verständnis
der Krankheit und ihrer Prävention. Mehr als die Hälfte
der depressiv Kranken litt zusätzlich an physischen und anderen
psychischen Erkrankungen. Dieser Komorbidität könne nur
begegnet werden, wenn die Behandlung über den klinischen Blick
hinausgehe, so Schwartz.
Nicht selten seien dabei Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit
oder Vereinsamung als eine der wesentlichen Ursachen für Depressionen
zu beachten. Ursächlich für die steigende Zahl depressiv
Kranker ist nach Auffassung der Wissenschaftler die Kluft zwischen
Leistungsdruck und die Sorge um den Arbeitsplatz auf der eine Seite
und gesellschaftliche Anerkennung durch Erfolg auf der anderen Seite.
Kausal zu lösen sei dieses Problem nur durch sichere und weniger
leistungsbelastete Arbeitsplätze, so Anke Bramesfeld.
Das nächste Werk in der wissenschaftlichen Reihe der GEK wird
sich mit dem Thema Lunge beschäftigen.
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