Bipolare Störung verläuft bei Kindern oft schwer
Junge Patienten haben mehr Stimmungsschwankungen als Erwachsene
/ Plädoyer für frühe Therapie
PITTSBURGH (ner/mut). Eine bipolare Erkrankung bei Kindern und
Jugendlichen verläuft oft schwerer als bei Erwachsenen. Aktuellen
Studiendaten zufolge haben erkrankte Kinder und Jugendliche häufiger
Stimmungsschwankungen und wechseln öfter zwischen manischen
und depressiven Phasen.
Bislang gibt es nur wenige Daten zum Verlauf von bipolaren Störungen
bei Kindern und Jugendlichen. Mit der COBY-Studie (Course and Outcome
of Bipolar Illness in Youth) haben Dr. Boris Birmaher und seine
Kollegen aus Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania den Krankheitsverlauf
erstmals bei einer größeren Gruppe prospektiv untersucht.
Es nahmen 263 Kindern und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren
teil, die eine bipolare Störung hatten. Die Daten wurden über
zwei Jahre erhoben und dann mit denen von 150 Erwachsenen verglichen.
Der Zustand der Patienten wurde mit mehreren psychiatrischen Skalen
erfaßt (Arch Gen Psychiatry 63, 2006, 175).
Ergebnis: Es werden zwar 70 Prozent der jungen Patienten nach einer
depressiven oder manischen Episode symptomfrei. Aber jeder zweite
Patient hat innerhalb von zwei Jahren mindestens eine neue Episode,
meist Depressionen. Insgesamt waren nach den Studiendaten Kinder
und Jugendliche 40 Prozent der Studiendauer symptomfrei, Erwachsene
53 Prozent. Erwachsene hatten im Schnitt sechs ausgeprägte
Stimmungsschwankungen pro Jahr, Kinder und Jugendliche dagegen 20.
Ähnlich sieht es mit Phasenwechsel aus: Erwachsene pendelten
im Schnitt dreieinhalbmal pro Jahr zwischen einer klinisch manifesten
Manie und einer Depression. Die jungen Patienten hatten dagegen
im Schnitt 16 Phasenwechsel. 30 Prozent hatten sogar mehr als 20
Phasenwechsel pro Jahr, bei den Erwachsenen waren es nur vier Prozent.
Schließlich ist die Prognose umso schlechter, je früher
die bipolare Störung auftritt und je länger die Symptome
anhalten. Beginnt die Erkrankung bereits in der Kindheit, ist die
Chance, nach einer Krankheitsepisode völlig symptomfrei zu
werden, nur halb so groß wie bei Patienten, die als Jugendliche
erstmals erkranken. Daher plädieren die US-Ärzte für
eine frühe stimmungsstabilisierende Therapie.
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