Denken und Fühlen
Wie wir uns fühlen, hängt davon ab, was wir
(vielleicht unbewußt) denken. Sind Sie traurig,
wütend, glücklich oder ängstlich, so
haben Sie etwas wahrgenommen oder erlebt, was dieses
Gefühl auslöste. Manchmal denken Sie dann
an bereits erlebte Geschehnisse in der Vergangenheit
oder Sie denken in die Zukunft, wie sich ein Erlebnis
auswirken könnte.
Bezeichnet wird dies als Situation.
Sie bewerten also die Situation nach Ihrer Wahrnehmung
und Ihren bisherigen Erlebnissen, was dann entsprechend
neutral, gut oder schlecht ausfällt. Entsprechend
formen sich dann auch Ihre Gedanken nach Ihrem Urteil:
neutral, gut oder schlecht.
Man nennt dies die Bewertung.
Aus dieser Bewertung entstehen wiederum Gefühle
in Ihnen, eine Reaktion auf das Ereignis und auch eine
körperliche Reaktion.
Traurige Ereignisse lassen Sie trauern und weinen,
der Gewinn im Lotto läßt in Ihnen ein Gefühl
des Glückes entstehen, der Kratzer im Auto macht
Sie wütend.
Angstkranke Menschen erleben bei für sie negativen
Ereignissen meist körperliche Reaktionen wie Herzrasen,
Schwitzen, eine verstärkte Atmung, sie erröten
und zittern. Oft endet dies in der Flucht, einer Erstarrung,
Schreien oder der Einnahme von Tabletten oder Alkohol.
Hinter den Gefühlen steckt also meist der Gedanke:
Wir fühlen uns gut, wenn wir positiv denken, normal,
wenn wir eine Situation neutral einschätzen und
schlecht, wenn wir negativ denken.
Bei angstkranken Menschen bedeutet das, daß hinter
der Angst meist die falsche Denkweise steckt. Sie verursacht
erst die Angst, die Wut oder das Schuldgefühl.
Andersherum lassen positive Gedanken uns gut fühlen,
wir werden zufriedener, sie geben uns Kraft.
Das Denken und Fühlen im Alltag
Wie Sie oben gelesen haben, bestimmt unser Denken das
Fühlen. So kann man also durch eine Änderung
seiner Denkweise das Fühlen beeinflussen.
Man kann sich also Gedanken zurechtlegen, die es ermöglichen,
in bestimmten Situationen anders zu reagieren als bisher.
Dies soll aber jetzt nicht bedeuten, daß man ab
sofort alles erdulden und erleiden soll. Natürlich
sollen Sie weiterhin auf tatsächlich angsteinfößende
Ereignisse mit Angst reagieren. Ob dies aber wie bisher
wegen einer Spinne, einer Platzangst oder einem Flugzeug
ausgelöst werden soll, liegt in Ihrer Art zu denken.
Zudem gibt es auch Situationen, in denen man keinen
Einfluß nehmen kann. Aber auch hier kann das veränderte,
gesunde Denken weiterhelfen.
So kann man zum Beispiel bei einem Todesfall, einer
Scheidung oder Trennung oder bei einer schweren Krankheit
abgehen von den Gedanken "Warum gerade ich? Die
Welt ist so ungerecht!" zu Gedanken wie "Vielleicht
ist das ein Zeichen, daß ich etwas ändern
muß und vielleicht ist dies ein neuer Anfang für
ein sinnvolleres Leben". Bei einem Todesfall trauert
man natürlich um den Verblichenen, man muß
sich aber auch klar machen, daß der Tod zum Leben
gehört und jeder von uns einmal Abschied nehmen
muß. Der Tod ist also eine ganz natürliche
Sache (wenn auch in unserer Kultur meist verdrängt).
Wie wir also an eine Situation herangehen, liegt in
gewissem Sinne an uns selbst. Unsere Gedanken sind eine
starke Waffe, die sich sowohl gegen uns als auch für
uns einsetzen läßt. Was wir fühlen,
bricht also nicht einfach so über uns herein, meist
können wir das Gefühl in gewisser Weise selbst
steuern - durch unser Denken!
Was mache ich also wie im Alltag?
- Machen Sie sich klar, daß das Gefühl
in Ihnen durch Ihre eigene Bewertung der Situation
entsteht. Egal was kommt, Sie können es durch
Ihre Gedanken abmildern, und damit auch das Gefühl
in Ihnen und die körperliche und reale Reaktion
darauf.
Wenn Sie also einmal wieder bestimmten Situationen
oder Personen die Schuld geben, daß es Ihnen
schlecht geht, sollten Sie lieber dazu übergehen
zu denken, daß Sie sich die Angst, die Wut oder
die Trauer selbst herbeidenken und daß die Situation
oder die Person, die das ausgelöst hat, an sich
gar nicht böse, schlecht oder gefährlich
ist.
Natürlich klappt das nicht von jetzt auf gleich,
Üben ist also angesagt! Legen Sie sich für
bestimmte Situationen gesunde Gedanken bereit, damit
Sie diese gleich griffbereit haben, wenn das Negative
Sie überrollt.
- Lernen Sie analysieren.
Was passierte, warum hat jemand so gehandelt, daß
es bei Ihnen negativ ankam?
Wie schätzten Sie die Situation ein? Was ist
daraufhin in Ihnen passiert? Empfanden Sie es als
gut, schlecht oder neutral? Welche Auswirkungen hatte
es auf Sie, begannen Sie zu schwitzen, wurde Ihnen
mulmig usw.
- Fragen Sie sich, ob Ihre Gedanken den Tatsachen
angepaßt waren. Oder waren Sie etwa übertrieben
durch Ihre eigenen Interpretationen?
Verschlechterten Ihre Gedanken Ihre Verfassung und
schränkten sie Sie in Ihren Handlungen ein?
Wenn ja, welche "Ausweichgedanken" wären
dann vielleicht besser gewesen?
- Trainieren Sie solche guten Gedanken täglich.
- Versuchen Sie, das Wesen der Dinge, die Ihnen Angst
auslösen, zu ergründen. Eine Spinne tut
eigentlich niemandem etwas, Flugzeuge stürzen
tatsächlich sehr selten ab, eine Trennung bedeutet,
daß man nicht mehr miteinander leben kann und
daß dies der Anfang eines neuen Lebens sein
kann usw.
Nichts an sich ist schlecht oder böse!
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