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Gast
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Verfasst am: 25.02.2010 07:49 Titel: Länge und Dauer depressiver Phasen |
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Ich habe mich ganz neu hier angemeldet und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Was mich am meisten quält: Ab wann ist es eine depressive Phase? Oder bin ich immer depressiv?
Vorgestern: Ich sitze im Auto, auf dem Weg nach Hause, freue mich auf den Feierabend, auf das Abendessen mit meinem Freund. Und plötzlich zieht sich mein Magen zusammen, ich bekomme keine Luft mehr. Ich verzweifle, ich weiß noch nicht mal warum, auf einmal bin ich am Boden zerstört. Grundlos. Totale Verzweiflung, ich denke darüber nach, wie es wäre, wenn ich den Wagen jetzt gegen einen Baum setzten würde.
Ich fahr nach Hause, lege mich hin, bekomme einen Heulkrampf. Nach 3 Stunden bin ich wieder stabil.
Ich gehe zu meinem Freund (wir wohnen zusammen), entschuldige mich für meinen Anfall und wir können zusammen essen, das extrem negative Gefühl ist weg.
Aber was ist der Normalzustand? Ich weiß, dass die meisten depressiven IMMER schlecht drauf sind. Ich weiß nicht, was gut drauf sein bedeuten soll. Die meiste Zeit würde ich es so beschreiben, dass ich mich zusammenreißen kann. Ich funktioniere.
Ich wünschte, ich könnte Begeisterung dabei empfinden, weil ich jeden Grund hätte. Mein Job liegt mir, ich bekomme viel Zuspruch, dass ich ihn gut mache. Trotzdem habe ich IMMER das Gefühl, dass ich total versage. Ich bin zu introvertiert bei Meetings, ich habe zu wenig eigene Lösungsvorschläge, ich integriere mich nicht richtig in das Team, ich ...
Tausend Sachen.
Mein Aussehen: Ich bekomme viele Komplimente. Mein Verstand sagt mir, dass ich nicht so aussehen KANN wie ich aussehe. Ich habe dünnes Haar, ein sehr dickes Gesicht, scheußliche Augen, ich bin fett, ... Mir fällt wirklich NICHTS ein, dass andere Menschen schön finden könnten.
So, und das kann ich jetzt endlos so weiterführen in ALLEN Dingen meines Lebens. Das ist mein Normalzustand. Also meine normale schlechte Laune. Ist das auch depressiv? Im Vergleich zu den körperlich spürbaren Anfällen ist es ein Witz.
Dann habe ich aber auch geradezu euphorische Phasen, wo ich denke, dass ich wunder-wunderschön bin, ich mache Fotoshootings, ich kaufe tonnenweise Klamotten, ich bin die Königin.
Ich gebe an mit meinem Job, weil mich alle anderen darum beneiden, das weiß ich. Ich gebe an mit meinen Eltern, weil sie so erfolgreich sind (und die ich sonst immer verteufel).
Mein Normalzustand ist extrem negativ, mein Selbstbild ist mehr als negativ, ich hasse mich. Von ganzem Herzen. Ich habe mich früher ständig selbst verletzt. Das tue ich nicht mehr, weil ich meinen Freund so sehr liebe und ihn mit diesen äußerlichen Zeichen nicht belasten will. Es würde ihm das Herz brechen. Deshalb hasse ich ihn manchmal, weil er mir mein Ventil genommen hat.
Dann habe ich diese Weltuntergang-Phasen, in denen ich körperlich fühle, wie es sich anbahnt. Ich kann sie nie abwenden, egal womit. Habe alles versucht, Sport, Diät, Fressen, Arbeit, Musik. das hilft alles sonst bei meiner normal schlechten Stimmung. Aber hier nicht. Nie.
Und dann aber diese absoluten Hochgefühl-Phasen. Sie lassen mich hoffen, dass meine Depression doch nicht da ist. Ich leugne sie auch komplett in diesen Phasen. Ich bin dann gesund. Ich bin total normal. Es gibt keine Depression. Und es passt ja auch nicht zum Krankheitsbild. Deshalb IST es ja auch keine Depression, total logisch.
Wie ist es bei euch? Ist euer Zustand stabil im Sinne von recht gleichbleibend? Schwankend? Wie stark schwankend?
Da ich mit niemanden über dieses Thema rede, hoffe ich in diesem Forum auf einen Austausch. Vielleicht hilft es zu hören, dass man nicht allein ist. |
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stefan68

Anmeldungsdatum: 15.11.2009
Beiträge: 593
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Verfasst am: 25.02.2010 08:15 Titel: |
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hallo lillie,
herzlich willkommen. du schreibst: "mein selbstbild ist mehr als negativ, ich hasse mich"
ganz wichtig ist, sich selber zu akzeptieren so wie man ist, sich selber zu mögen. auf therapie habe ich das auch lernen müssen. jeder mensch ist einzigartig. ich bin so wie ich bin. mit allen stärken und schwächen.
das ist wirklich sehr wichtig um aus der depression zu kommen.
LG stefan68 _________________ "Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht" (China)
"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben" (Albert Einstein) |
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Seattle

Anmeldungsdatum: 04.03.2009
Beiträge: 351
Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: 25.02.2010 08:33 Titel: |
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Willkommen Lillie,
bei mir selbst präsentierte sich kein ähnliches Erscheinungsbild, aber es klingt nicht gerade gesund, was Du über Dich selbst schreibst:
Du verteufelst Deine Eltern.
Du hast Dich früher selbst verletzt und das war ein Ventil.
Du verletzt Dich selbst nicht mehr, Deinem Freund zuliebe.
Du hast jetzt Situationen, in denen Du "abstürzt".
In meinen Augen klingt das nach Problemen, die in der Vergangenheit entstanden, ungelöst in Dein Ventil der Selbstverletzung gingen und nun möglicherweise einfach andere Wege gesucht haben, zum Ausbruch zu kommen.
Der Erfahrungsaustausch hier im Forum war mir immer willkommene Unterstützung - die eigentliche Lösung lag in mir selbst und ich kam auch nur mit massiver ärztlicher Hilfe an dieses verkorkste im inneren Ich, das mir zu schaffen macht.
Ob Du depressiv bist, depressive Phasen hast oder unter einer anderen psychischen Störung leidest, kann Dir nur ein Mediziner/Psychologe diagnostizieren. Das ist schon sehr komplex.
Aber ich bin davon überzeugt, dass Du Dir Hilfe holen kannst, mit Hilfe von Fachleuten genauer dahinter kommen kannst, was da in Dir vorgeht und dann auch Lösungen am Horizont erscheinen.
Wenn Du kannst, mach Dich auf den Weg, hol Dir Hilfe (ärztliche) und lass Dich unterstützen (gern auch hier).
alles Liebe
Seattle _________________ You'll never fail until you stop trying. |
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Gast
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Verfasst am: 25.02.2010 14:04 Titel: |
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@Stefan: Mehr als schwer. Ich freue mich sehr für dich, dass du es geschafft hast, dich selbst gern zu haben. Wie siehst du selbst jetzt die Dinge, die dich früher gestört haben? Denkst du, dass es unwichtige Punkte waren? Oder siehst du dich konkret anders im Spiegel?
@Seattle: Eine Therapie erscheint mir das Unwarscheinlichste. Ich denke, dann wäre es vorbei. Gerade das Normale gibt mir Halt, der Job, die Beziehung, die Wohnung, das normale Leben halt.
Ich würde am liebsten gar nicht mehr daran denken, dass ich krank bin, ich denke, eine Therapie, wo das ständig durchgekaut wird, würde mich total aus der Bahn werfen.
Ich will nicht durchkauen, warum ich ein Psycho bin, ich will Freude am normalen Leben finden. Das normale Leben wird mir hinterhergeworfen. Von mir müsste nur die Freude kommen. Wie bescheuert, dass ich das nicht hin bekomme. |
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water lily

Anmeldungsdatum: 10.01.2010
Beiträge: 179
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Verfasst am: 25.02.2010 18:06 Titel: |
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Liebe Lillie,
wie gehts dir denn gerade?
Die extremen Stimmungsschwankungen, von denen zu schreibst,
machen es mir auch so unheimlich schwer, in irgendeiner Form mal
Ordnung rein zu bekommen.
Gestern z.b. ging es mir mal wieder richtig gut. Hatte eine schwere
Klausur hinter mich gebracht und total erleichtert, schon fast euphorisch.
An die Abstürze kann ich in diesen Momenten auch nicht denken...
die sind dann meilenweit weg und ich frage mich, ob sie nicht pure Einbildung waren. "waren" deshalb, weil ich mir dann auch gar nicht vorstellen kann, dass da wieder etwas kommen könnte, weil es mir doch gut geht.
War dann sogar noch etwas durch die Geschäfte gebummelt und hatte
auch nicht diese riesige Angst vor anderen Menschen.
Heute Morgen sah die Welt schon wieder anders aus.
Den Unterricht hab ich kaum ertragen können. Bin auch schon nach kurzer Zeit wieder abgehauen. Es ging einfach gar nichts mehr. Ich wollte nur noch heulen, mich verkriechen, wieder mal mich und die Welt komplett vergessen.
Aber es wollte auch verdammt nochmal wieder niemand sehen.
Wahrscheinlich, weil es für die meisten so unglaublich unverständlich ist. Sie kennen diese Gefühle eben nicht.
Dieser krasse Wechsel, der schonmal von einer auf die andere Minute stattfinden kann, schreckt mich auch so sehr ab wie dich... sodass
ich am Ende überhaupt nicht mehr weiß wie ich weitermachen soll...
Es wäre einfacher, die fremde Person in mir mal mit Sicherheit einschätzen oder benennen zu können.
Wahrscheinlich haben stefan und seattle wirklich recht damit, dass du
versuchen solltest, mit einem Arzt darüber zu sprechen, der dir etwas Klarheit verschafft.
Ich selbst kann dir leider da nicht weiterhelfen, weil ich mir selbst nicht so recht zu helfen weiß. In den guten Momenten ist es mir zu doof und peinlich, zum Arzt zu gehen und in den schlechten sitz ich so tief in diesem Loch fest, dass ich gar nicht erst das Haus verlassen möchte.
Aber es wegreden zu wollen, hat glaube ich auch keinen Sinn...
Hmm... weiß nicht..
Hoffe, dass dir dein Freund viel Halt geben kann in der Situation.
Es ist auf jeden Fall gut, dass da noch jemand ist, der für dich da sein möchte.
Ich drück dich ganz lieb
water lily |
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Seattle

Anmeldungsdatum: 04.03.2009
Beiträge: 351
Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: 25.02.2010 18:24 Titel: |
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Liebe Lillie,
vor guten einem Jahr hätten diese Sätze von mir stammen können:
"Ich würde am liebsten gar nicht mehr daran denken, dass ich krank bin, ich denke, eine Therapie, wo das ständig durchgekaut wird, würde mich total aus der Bahn werfen.
Ich will nicht durchkauen, warum ich ein Psycho bin, ich will Freude am normalen Leben finden. "
Jetzt, nachdem ich einmal total zusammen gebrochen bin, eine tagesklinische Intensivtherapie von 3 Monaten hatte und seither eine begleitende Therapie mache, fange ich erst richtig an Ursprünge nicht nur zu sehen, sondern auch Muster zu verändern. Dinge, die mir helfen, heute wieder Freude zu haben und weiter machen zu können.
Irgendwann hat es Klick gemacht und "Psycho" wurde zu einem humorvoll genommenen Ausdruck aus einer Welt, die nicht versteht, dass man so einknicken kann.
Alles, was damals für mich schlimm war: Psychiatrie, Langzeiterkrankung, in der Vergangenheit wühlen.
Alles was heute gut und richtig erscheint:
Psychiatrie, Langzeiterkrankung, in der Vergangenheit wühlen
Ich musste nur mal erst auf den Trichter kommen, dass es OK und richtig ist, sich mal mit dem eigenen Ich auseinander zu setzen. Das hat auch tatsächlich nur selten etwas von "immer wieder durchkauen", was allerdings sicherlich von der einzelnen Person und vom einzelnen Therapeuten abhängig ist - wahrscheinlich spielt dann auch noch die Therapie Form mit hinein.
Eine gezielte Verhaltenstherapie mag schon von Wiederholungen geprägt sein, um Muster zu verändern.
Mein sehr nah am realen Leben arbeitender Analytiker fordert mich da ganz anders.
Und möglicherweise musst Du nochmal richtig in die Knie gehen, damit Hilfe holen, Unterstützen lassen und Dinge verändern zu den notwendigen normalen Dingen werden. Im Moment spüre ich da bei Dir eine ziemlich harte Ablehnung... nur dass Dein Leben Dir trotz allen Versuchen es "normal" zu leben, Streiche spielt und keine Freude macht.
Sieh bitte meinen Input als Gedankenanstoß. Auch ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und kann mich irren.
alles Liebe
Seattle _________________ You'll never fail until you stop trying. |
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Gast
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Verfasst am: 26.02.2010 10:56 Titel: |
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@water Lily: Du sprichst mir aus der Seele! Genau das ist es: Wenn man gerade so euphorisch ist, denkt man, dass es einem nie wieder (!) so schlecht gehen wird, dass man Hilfe braucht!
Wenn ich ein Tief habe, geht es mir so schlecht, dass ich NIEMANDEN sehen kann, erst Recht keinen Arzt.
@Seattle: Ich habe einfach sehr, sehr, sehr große Angst davor. Weißt du, dieser Schritt wäre der letzte Schritt in den Wahnsinn, so empfinde ich es. Denn wenn ich zugebe, dass etwas nicht stimmt, dann wird es wirklich real. Jetzt ist es MEINS und ich kann es verdrängen. Nicht die Gefühle, aber zumindest der Gedanke an Irrsinn. |
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water lily

Anmeldungsdatum: 10.01.2010
Beiträge: 179
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Verfasst am: 28.02.2010 13:15 Titel: |
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Lillie,
warum hast du dich wieder abgemeldet? |
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