Die meisten der genannten Symptome einer Depression
bei Kindern treten mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann im
Verlauf der Kindheit auf, ohne dass sie zu einer Depression
führen. Es gibt bei Kindern und Jugendlichen eben Zeiten,
in denen sie traurig sind, wütend, keine Lust zum Essen
haben, müde sind oder auch übertrieben fröhlich.
Dies gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes, das
dadurch das Sozialverhalten erlernt oder der körperlichen
Entwicklung Tribut zollt. Sollten solche Zustände jedoch
zu einem Dauerzustand werden, sollte man sich unbedingt nach
professionellem Rat umsehen.
Wenn festgestellt wurde, dass ihr Kind an einer Depression
leidet, müssen sie als Eltern einsehen, dass die Auswirkungen,
wie z. B. Wut oder Boshaftigkeit, von der Krankheit kommen.
Ihr Kind ist also nicht böse, faul oder dumm, es ist
krank!
Diese Einsicht zu gewinnen ist oft nicht einfach. Viele Eltern
zweifeln an ihren Fähigkeiten, das Kind richtig zu erziehen
oder das Kind glücklich zu machen. Eltern werden geplagt
von Versagensängsten. Sie fühlen sich manchmal schuld
an der Depression. Hinzu kommt, dass aus dem sozialen Umfeld
ebenfalls Schuldzuweisungen kommen, denn das Kind wird ihr
als Resultat der Erziehung und der Lebensverhältnisse
gesehen. Da die Depression immer noch als psychische Krankheit
und dadurch als Makel gehandelt wird, entstehen oft auch Schamgefühle,
weil man ein "verrücktes" Kind hat. Das ist
natürlich absoluter Blödsinn!
Natürlich kommen aufgrund der Krankheit des Kindes auch
besondere emotionale Belastungen auf die Eltern zu, die ihnen
so gross Erscheinen, dass sie manchmal nicht damit fertig
werden zu glauben. Manche Eltern versuchen die Vogel-Strauß-Taktik,
verschließen also die Augen, in der Hoffnung, das Problem
werde sich mit zunehmenden Alter der Kinder von alleine lösen.
Nichts ist jetzt jedoch so wichtig wie eine schnelle Hilfe!
Für Kinder bedeutet eine Depression einen Rückschlag
in ihrer Entwicklung. Jeder, der Kinder hat, weiß, wie
aufwändig die Entwicklung zum Erwachsenen für ein
Kind sind. Die Depression unterbindet die Bewältigung
der einzelnen Entwicklungsaufgaben und führt zu negativen
Langzeitfolgen, die später nur sehr schwer wieder ausgeglichen
werden können.