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Montag, 21.4.2008, 00:05:58 Uhr
| | Herzinfarkt und depressiv? Dann ist die Prognose besonders ungünstig |
Bei Komorbidität sind Nebeneffekte der Antidepressiva besonders zu beachten
Depressive klagen meist über körperliche Beschwerden, umgekehrt hat etwa ein Viertel der Patienten mit chronischen somatischen Krankheiten eine behandlungsbedürftige Depression. Bei ihnen ist die Prognose besonders ungünstig.
Bei der Beratung geht es gleich um zwei verschiedene Krankheiten. Foto: Klaro
Diabetiker haben ein dreimal höheres Risiko für Depressionen als Nicht-Diabetiker, und Depressive ein dreimal höheres Risiko für Diabetes als Nicht-Depressive.
Solche Komorbiditäten erhöhen die Sterberate drastisch. In einer Zehn-Jahres-Studie mit 8000 Teilnehmern war sie bei depressiven Diabetikern um 54 Prozent höher als bei Diabetikern ohne Depressionen. Erklärung der Autoren: Blutzuckerkontrolle und Medikamenten-Einnahme sind erschwert.
Für Patienten mit metabolischem Syndrom oder Diabetes sind SSRI oder SSNRI ratsam, außerdem Bupropion und Reboxetin. Denn damit ist die Wahrscheinlichkeit einer Gewichtszunahme gering.
Bei Patienten, die nach einem Herzinfarkt an Depressionen erkrankten, ist nach einer Studie das Risiko, innerhalb eines halben Jahres aus kardialer Ursache zu sterben, drei- bis sechsfach höher als bei Infarkt-Patienten ohne Depressionen. Bei diesen Patienten sind Präparate wie Sertralin, Escitalopram oder Mirtazapin zu empfehlen, die - anders als Trizyklika - Herzrhythmus und Blutdruck nicht verändern.
Daten zu Prävalenz und Bedeutung von Depressionen bei Morbus Parkinson werden derzeit in einer europaweiten Studie mit 1023 Patienten gesammelt. Nach ersten Resultaten bekommen 64 Prozent auch eine Therapie mit Antidepressiva. Eine Option ist auch der Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®). Er lindert Studien zufolge nicht nur Rigor, Tremor und Akinese, sondern auch Depressionen. Umgekehrt bessern Antidepressiva nicht nur die gedrückte Stimmung, sondern auch die motorischen Funktionen, hat eine kleine Studie zu Reboxetin mit 16 Patienten ergeben.
Fast jeder zweite Schlaganfall-Patient bekommt im Jahr nach dem Ereignis Depressionen. Die antriebsgehemmte Form besserte sich nach einer Studie mit Reboxetin signifikant.
Besonders anfällig für Depressionen sind Frauen nach der Menopause, so eine US-Studie: Vor den Wechseljahren lag die Häufigkeit schwerer Depressionen unter den Teilnehmerinnen bei knapp zehn Prozent, danach fast doppelt so hoch. Als Auslöser vermuten die Autoren Hormonschwankungen. Als Mittel der ersten Wahl empfiehlt Professor Anke Rohde aus Bonn SSNRI, weil sie den Schlaf anstoßen und Zusatzeffekte haben. So wirke etwa Venlafaxin auch gegen Hitzewallungen. (ars)
Thema: Depressionen
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