Depressionen
Sonstiges


Neues Antidepressivum besonders bei Antriebsarmut geeignet
[1918 mal gelesen]
Schilddrüsen-Check bei unklaren Symptomen
[1423 mal gelesen]
Diffuser Schmerz ist oft früher Vorbote einer Depression
[986 mal gelesen]
Neue Studie: Johanniskraut ist ähnlich effektiv wie SSRI
[980 mal gelesen]
Antidepressivum wirkt auch gegen Körperschmerzen
[890 mal gelesen]
Ferndiagnose vom Online-Doc - Gesundheitsportale im Netz sind für Ärzte vor Ort nicht nur Konkurrenz
[875 mal gelesen]
Das abgrundtiefe Leiden an sich selbst
[688 mal gelesen]
Depressionen: Da liegen Hausärzte meistens richtig
[671 mal gelesen]
Depressionen so herzschädlich wie Rauchen
[649 mal gelesen]
Scopolamin hilft offenbar schwer Depressiven
[640 mal gelesen]



Freitag, 18.1.2008, 00:14:06 Uhr

Depressive können sich meist selbst nicht helfen


Depression ist die häufigste psychische Erkrankung. Ererbte Neigungen können ebenso Auslöser dafür sein wie familiärer oder beruflicher Stress. Zu Unrecht ist das Leiden immer noch ein Tabuthema. Viele Betroffene vertrauen sich keinem Arzt an. Inzwischen gibt es erfolgreiche Behandlungsmethoden.

Glück, Freude, Hoffnung: Nichts davon erleben und spüren Menschen mit Depressionen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat keine andere Krankheit so negative Auswirkungen auf die Gesundheit wie eine Depression. Sie ist die häufigste psychische Erkrankung, geschätzte vier Millionen Deutsche sind betroffen. Schon 2020 werden Depressionen in den Industrienationen nach WHO-Schätzungen hinter Herz-Gefäß-Erkrankungen an die zweite Stelle rücken. Und: "Depressive haben ein hohes Sterberisiko", sagt Ulrich Hegerl, Chef der Psychiatrie an der Uniklinik Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression.
Die vermeintliche Ausweglosigkeit treibt Depressive in den Selbstmord. Bei 90 Prozent aller Suizide und Suizidversuche liegt eine psychische Erkrankung, meist eine Depression, zugrunde. Durch Suizid starben bei uns im vergangenen Jahr rund 10.000 Menschen, und damit doppelt so viele wie durch einen Verkehrsunfall. Zehn- bis zwanzigfach höher liegt die Zahl der versuchten Selbsttötungen.
Depressionen verdunkeln nicht nur die Seele. Das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn, vor allem aber die ständig erhöhten Stresshormone machen Depressive auch körperlich krank. "Depressionen erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes um ein Mehrfaches", sagt der Psychiater Ulrich Voderholzer, Professor an der Freiburger Uniklinik.
Depressionen sind nicht akzeptiert
Wer einen Infarkt erleidet, an Rheuma oder Krebs erkrankt, kann offen über seine Krankheit reden und auf Mitgefühl hoffen. "Depressionen aber sind in unserer Gesellschaft noch immer nicht so akzeptiert wie andere körperliche Erkrankungen", sagt Fritz Hohagen, Leiter der Psychiatrie an der Uniklinik Lübeck. Fatal, denn gerade Depressive können sich meist selbst nicht helfen.
Neben der gedrückten Stimmung verlieren Depressive das Interesse an allem, was um sie passiert. "So als seien alle wichtigen Lebensfunktionen gelähmt", beschreibt Hohagen den Zustand. Hobbys, Kontakte zu Freunden und Familie werden aufgegeben, offensichtliche Momente von Freude und Glück nicht mehr wahrgenommen, selbst zu einfachen Tätigkeiten wie Einkaufen oder der eigenen Körperhygiene fehlt der Antrieb.
Keine Frage der Willensschwäche
Dazu kommen eine tiefe Müdigkeit, mangelnder Appetit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Die Betroffenen sind von Schuldgefühlen geplagt, glauben, nicht wichtig und wertvoll zu sein, trauen sich nichts mehr zu, fühlen sich hoffnungslos. "Das hat wirklich nichts mit Willensschwäche zu tun", sagt Depressionsexperte Hohagen. "Sich aufzuraffen, das Positive im Leben zu sehen, solche Appelle von Angehörigen und Freunden sind völlig unsinnig und helfen Depressiven überhaupt nicht."
Im Gegenteil, denn bei keiner anderen Erkrankung sind die Patienten so sehr auf die aktive Unterstützung angewiesen. Wie wichtig Akzeptanz und Aufmerksamkeit sind, hat nicht zuletzt das "Nürnberger Bündnis gegen Depression" gezeigt. In den Jahren 2001 und 2002 wurden durch ein breites Aufklärungs- und Informationsprogramm nicht nur Ärzte zum Thema Depressionen geschult, sondern auch Lehrer, Altenpfleger und Pfarrer. In allen Medien, auf Großplakaten und in Kinospots wurde zum Thema Depression informiert. Mit deutlichem Erfolg. "Wir konnten die Rate an Suiziden und Suizidversuchen um knapp 20 Prozent senken", sagt Hegerl.
Jeden siebten Deutschen erwischt es
Hinter unspezifischen Beschwerden steckt oft eine Depression, etwa jeden siebten Deutschen erwischt die Krankheit einmal in seinem Leben - Frauen doppelt so häufig wie Männer. Nicht immer bleibt es bei einer einmaligen depressiven Phase, etwa jeder Zweite erlebt einen schubweisen Verlauf. Seltener sind sogenannte bipolare Störungen, bei denen sich Depression und Manie abwechseln. Die sind auch für Angehörige kaum auszuhalten, denn die manischen Phasen sind gekennzeichnet durch Rast- und Ruhelosigkeit, einen übersteigerten Antrieb und eine oft maßlose Selbstüberschätzung, bei der für ein vermeintlich sensationelles Projekt oft das gesamte Hab und Gut der Familie versetzt wird.
Obwohl schon Hippokrates vor gut 2400 Jahren die Seelenpein kannte, tappen die Wissenschaftler bis heute im Dunkeln, was denn genau eine Depression verursacht. Einigkeit herrscht darüber, dass der Hirnstoffwechsel für Botenstoffe gestört ist. Ob das aber Auslöser oder Folge der Depression ist, wird noch immer diskutiert. Sicher ist auch, dass die Vererbung eine Rolle spielt, "die genetischen Faktoren machen etwa 30 bis 40 Prozent aus", sagt Ulrich Voderholzer. "Auch Traumatisierungen in der Kindheit, Verlusterlebnisse, schwere körperliche Erkrankungen kommen als auslösende Faktoren in Betracht. Ebenso massiver Stress durch Leistungsdruck, Mobbing, Arbeitslosigkeit und vieles andere."
Medikamente und Verhaltenstherapie
Noch immer wird schätzungsweise nur jeder zweite depressive Patient behandelt. Und das, obwohl es inzwischen gute Therapien gibt. Bei leichten und mittelschweren Depressionen werden oft und erfolgreich psychotherapeutische Verfahren eingesetzt. Bei schwer Depressiven kann zwischen den Schüben die kognitive Verhaltenstherapie unterstützend helfen. "In einer akuten, schweren Depression aber sind antidepressive Medikamente unerlässlich", sagt Ulrich Hegerl.

Das Problem ist, dass sie schon bald nach der Einnahme den inneren Antrieb steigern, bevor sich auch die Stimmung aufhellt. Dann besteht erhöhte Suizidneigung. "Das aber kennen wir", sagt Hegerl. "Unter Umständen empfehlen wir dann für kurze Zeit eine stationäre Therapie." Schlimmere Auswirkungen hätte es, auf die antidepressive Therapie zu verzichten.



Thema: Depressionen

Dieser Beitrag wurde 515 mal gelesen.

Kommentar schreiben  Druckansicht  Seitenanfang 




Suchmaschinen-Cloud
Die Wörter, die am meisten bei Google gefunden wurden, sind:

  
können
    

depressive

    

für

    

Chaf

    
Depressive
    
DEPRESSIVE
    

KRANK

  


Wirksame Therapien gegen das Stimmungstief

Herzinfarkt und depressiv? Dann ist die Prognose besonders ungünstig

Steigt die Stimmung, lässt der Schmerz nach

Bereits ein kurzes Gespräch gibt Depressiven mehr Zuversicht

Fast jeder zweite HIV-Patient hat Depressionen

Depression beeinträchtigt HIV-Therapie

Depressionen der Eltern schwächen die Kinder

Bei mittelschweren Depressionen hat Johanniskraut Vorteile

Pulsgeber im Gehirn mildert Depressionen

Johanniskraut wird gut akzeptiert





Gesamtverzeichnis
April 2008
März 2008
Januar 2008
Dezember 2007
Oktober 2007




Mister Wong

RSS-Feed

Heute ist der
15.5.2008

Es ist
0:10:54 Uhr

Ihre IP:
38.103.63.16

Blog-Einträge: 105

Die letzten 24 Stunden im Überblick



Mo Di Mi Do Fr Sa So
1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031

Impressum