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Dienstag, 15.4.2008, 19:36:01 Uhr
| | Depressionen werden häufiger, Suizide seltener |
Ein in Nürnberg erfolgreiches Präventionsprogramm gibt es jetzt in deutschsprachigen Ländern und europaweit
In Deutschland haben 15 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer Depressionen. Hierzulande leben damit also etwa vier Millionen Menschen. Im Lauf des Lebens erkrankt jeder Fünfte, jeder zwölfte Erwachsene, der eine Arztpraxis aufsucht, leidet daran.
Einer Prognose zufolge werden Depressionen 2020 in der Statistik der häufigsten Krankheiten weltweit an zweiter Stelle stehen. 1990 waren sie noch auf Rang vier. Als Gründe für den Anstieg vermuten Psychiater unter anderem Arbeitsdruck, Vereinsamung und Auseinanderreißen von Familien durch rasche Ortswechsel.
Die Diagnose einer Depression ist naheliegend, wenn ein Patient über die klassischen Symptome klagt: Er fühlt sich niedergeschlagen und wie versteinert, kann sich zu nichts aufraffen, wacht vor Morgengrauen erschöpft auf, das Essen schmeckt wie Pappe, die Zukunft scheint grau in grau. Tatsächlich gehen zwei Drittel der depressiven Patienten nicht aufgrund psychischer Beschwerden zum Arzt, sondern nennen beim Arztbesuch körperliche Probleme wie Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen, Schwindel und Zittern.
Erkennen kann der Hausarzt die eigentliche Krankheit mit Fragebögen wie dem Major Depression Inventory (MDI)*. Damit kann er Depressionen zudem in leicht, mittel und schwer einteilen. Mit dem MDI fragt man gemäß ICD-10 nach den drei Hauptsymptomen Stimmung, Antrieb und Interesse. Dann folgen sieben Nebensymptome, etwa: Hatten Sie in den letzten zwei Wochen Schuldgefühle? Fiel es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren? Bewertet wird mit Punkten von fünf (ständig) bis null (nie). Erreicht etwa ein Patient bei allen drei Hauptsymptomen vier oder fünf Punkte und bei wenigstens fünf Nebensymptomen einen Wert über drei, liegt eine schwere Depression vor. Zur Abklärung somatischer Ursachen sind körperliche Untersuchung und Labortests ratsam, etwa auf Elektrolyte-Werte, Nüchternblutzucker, Blutbild, BSG, Leber- und Nierenwerte sowie TSH.
Wegen der hohen Suizidrate bei Depressiven von 15 Prozent ist die Depression die kritischste psychische Erkrankung. Allerdings ist ein Rückgang zu beobachten: 2005 gab es mit 10 260 fast 500 Suizide weniger als 2004. Insgesamt hat sich die Suizidrate seit den 70er Jahren um 40 Prozent verringert. Durch Schulung von Hausärzten, Lehrern, Polizisten oder Pfarrern lässt sich die Rate weiter senken: So fiel durch das "Bündnis gegen Depression" in Nürnberg die Zahl der Suizidversuche in zwei Jahren um ein Viertel.
Nun haben 40 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Konzept aufgegriffen. Die Europäische Kommission hat ein ähnliches Projekt gestartet. (ars)
Quelle: http://www.aerztezeitung.de/
Thema: Depressionen
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