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Dienstag, 30.10.2007, 15:56:08 Uhr
| | Depression - vor allem Alte, Kranke und Arme leiden darunter |
Neues Kompendium der Gmünder Ersatzkasse zu Epidemiologie und Versorgung
BERLIN (te). Depression ist in der Bevölkerung inzwischen weiter verbreitet als die Volkskrankheit Diabetes. Dabei ist die Hospitalisierung bei Menschen mit schweren Depressionen zwischen 2000 und 2004 um 40 Prozent gestiegen.
Dies geht aus den Daten zur Epidemiologie und Versorgung hervor, die ein Wissenschaftler-Team im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse zusammengetragen und ausgewertet haben. Der erste Band der neuen Wissenschaftlichen Reihe der GEK wurde gestern in Berlin vorgestellt.
"Geld macht eben doch glücklicher", bilanziert Anke Bramesfeld von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eines der Untersuchungsergebnisse für das Kompendium der GEK. Die Mitherausgeberin hat die sozioökonomischen Bedingungen untersucht und herausgefunden, daß Depressionen bei Menschen mit höherem Einkommen offenbar seltener vorkommen.
Ziel der Autoren war es, medizinische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte der Krankheit zu verbinden. So wird deutlich, daß das mittlere Ersterkrankungsalter bei 31 Jahren liegt. Je älter die Versicherten werden, desto häufiger wird Depression diagnostiziert. Jeder vierte Betroffene wird zumindest einmal stationär behandelt.
Oft treibt die Krankheit die Menschen in die Frühverrentung. Frauen sind signifikant häufiger betroffen als Männer. Im ersten Halbjahr 2004 wurde bei 3,7 Prozent aller männlichen Versicherten und 9,5 Prozent aller weiblichen Versicherten eine Depression diagnostiziert. Zum Vergleich: Bei Diabetes betrug der Wert fünf Prozent.
Für Mitherausgeber Friedrich-Wilhelm Schwartz von der MHH sind solche Informationen wichtig für ein besseres Verständnis der Krankheit und ihrer Prävention. Mehr als die Hälfte der depressiv Kranken litt zusätzlich an physischen und anderen psychischen Erkrankungen. Dieser Komorbidität könne nur begegnet werden, wenn die Behandlung über den klinischen Blick hinausgehe, so Schwartz.
Nicht selten seien dabei Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit oder Vereinsamung als eine der wesentlichen Ursachen für Depressionen zu beachten. Ursächlich für die steigende Zahl depressiv Kranker ist nach Auffassung der Wissenschaftler die Kluft zwischen Leistungsdruck und die Sorge um den Arbeitsplatz auf der eine Seite und gesellschaftliche Anerkennung durch Erfolg auf der anderen Seite. Kausal zu lösen sei dieses Problem nur durch sichere und weniger leistungsbelastete Arbeitsplätze, so Anke Bramesfeld.
Das nächste Werk in der wissenschaftlichen Reihe der GEK wird sich mit dem Thema Lunge beschäftigen.
Thema: Depressionen
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