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Sonntag, 20.1.2008, 00:04:29 Uhr
Eine Frau sitzt auf einer Bank in der Sonne. Es ist ein schöner Tag, der die Lebensfreude weckt. Dennoch kann sie sich nicht freuen, weil sie unfähig ist, etwas zu genießen. Sie leidet an einer Depression.
Diese Szene beschreibt Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses in Bayreuth und einer der führenden Depressionsforscher in Deutschland, in seinem jüngsten Buch. Depression ist eine der häufigsten und wichtigsten Krankheiten weltweit. Bis zu 37 Prozent aller Erwachsenen, so schätzt man, litten einmal in ihrem Leben an einer Depression. Die Krankheit gehört zu den schwersten und gefährlichsten überhaupt, weil viele Betroffene keinen anderen Ausweg sehen, als sich umzubringen. Etwa 11 000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland durch eigene Hand, die meisten waren depressiv.
Unsicheres Selbstbild
Es kann jeden treffen: Ob Arzt oder Hilfsarbeiter, ob jung oder alt. „Wir leben in einer depressionsfördernden Gesellschaft“, sagt Wolfersdorf, „weil das Selbstwertgefühl eines Menschen ganz eng an die Leistungsfähigkeit gekoppelt ist. Man ist nur geliebt, geschätzt und anerkannt, wenn man ständig etwas leistet.“
Besonders gefährdet sind Menschen, die ein unsicheres Selbstbild haben. Kommt dann noch ein Auslöser dazu wie fehlende Wertschätzung, eine massive Kränkung oder eine körperliche Erkrankung, dann stehen sie unter Stress. Als Folge gerät der Stoffwechsel im Gehirn durcheinander. Die genauen Auslöser sind unbekannt, doch weiß man, dass Erbanlagen und Umwelteinflüsse zusammenspielen. ...
Samstag, 19.1.2008, 00:32:14 Uhr
Diabetes und Depressionen gehen laut Experten oft Hand in Hand. So hätten depressive Menschen ein erhöhtes Risiko, einen Diabetes mellitus zu entwickeln, teilt das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf mit. Zugleich erkrankten Diabetiker im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung öfter an Depressionen. Die Gefahr sei für sie dabei größer: Es falle depressiven Menschen mit Diabetes schwerer, die Therapie einzuhalten oder sich gesund zu ernähren. Als Folge schwanke der Blutzuckerspiegel, die Sterblichkeit bei den Betroffenen liege höher. Depressionen sollten bei Diabetikern daher besonders ernst genommen werden, heißt es weiter. Laut US-Studien gelinge eine angemessene Behandlung am besten dann, wenn Diabetologen, Psychiater und Psychotherapeuten zusammenarbeiten.
Freitag, 18.1.2008, 00:14:06 Uhr
Depression ist die häufigste psychische Erkrankung. Ererbte Neigungen können ebenso Auslöser dafür sein wie familiärer oder beruflicher Stress. Zu Unrecht ist das Leiden immer noch ein Tabuthema. Viele Betroffene vertrauen sich keinem Arzt an. Inzwischen gibt es erfolgreiche Behandlungsmethoden.
Glück, Freude, Hoffnung: Nichts davon erleben und spüren Menschen mit Depressionen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat keine andere Krankheit so negative Auswirkungen auf die Gesundheit wie eine Depression. Sie ist die häufigste psychische Erkrankung, geschätzte vier Millionen Deutsche sind betroffen. Schon 2020 werden Depressionen in den Industrienationen nach WHO-Schätzungen hinter Herz-Gefäß-Erkrankungen an die zweite Stelle rücken. Und: "Depressive haben ein hohes Sterberisiko", sagt Ulrich Hegerl, Chef der Psychiatrie an der Uniklinik Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression. Die vermeintliche Ausweglosigkeit treibt Depressive in den Selbstmord. Bei 90 Prozent aller Suizide und Suizidversuche liegt eine psychische Erkrankung, meist eine Depression, zugrunde. Durch Suizid starben bei uns im vergangenen Jahr rund 10.000 Menschen, und damit doppelt so viele wie durch einen Verkehrsunfall. Zehn- bis zwanzigfach höher liegt die Zahl der versuchten Selbsttötungen. Depressionen verdunkeln nicht nur die Seele. Das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn, vor allem aber die ständig erhöhten Stresshormone machen Depressive auch körperlich krank. "Depressionen erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes um ein Mehrfaches", sagt der Psychiater Ulrich Voderholzer, Professor an der Freiburger Uniklinik. Depressionen sind nicht akzeptiert Wer einen Infarkt erleidet, an Rheuma oder Krebs erkrankt, kann offen über seine Krankheit reden und auf Mitgefühl hoffen. "Depressionen aber sind in unserer Gesellschaft noch immer nicht so akzeptiert wie andere körperliche Erkrankungen", sagt Fritz Hohagen, Leiter der Psychiatrie an der Uniklinik Lübeck. Fatal, denn gerade Depressive können sich meist selbst nicht helfen. Neben der gedrückten Stimmung verlieren Depressive das Interesse an allem, was um sie passiert. "So als seien alle wichtigen Lebensfunktionen gelähmt", beschreibt Hohagen den Zustand. Hobbys, Kontakte zu Freunden und Familie werden aufgegeben, offensichtliche Momente von Freude und Glück nicht mehr wahrgenommen, selbst zu einfachen Tätigkeiten wie Einkaufen oder der eigenen Körperhygiene fehlt der Antrieb. Keine Frage der Willensschwäche ...
Donnerstag, 17.1.2008, 00:25:47 Uhr
Regionale Unterschiede | Existenzängste schlagen sich deutlich in den Patientenzahlen der Krankenkassen nieder Viele Depressive scheuen sich, mit anderen darüber zu reden, weil sie die Erkrankung für einen Makel halten. Doch das ist der falsche Weg. Die Depression ist zu einer Volkskrankheit geworden, die jeden treffen kann. Wir sprachen mit Rudolf Degelmann, Direktor der AOK in Hof, über Häufigkeit und Hilfsmöglichkeiten.
Wie ist anhand Ihrer Statistiken die Situation bei den Depressionen, Herr Degelmann?
Leider können wir keine Zahlen nennen, weil uns über die Diagnosen keine vorliegen. Wir erkennen aber eine Häufigkeit von depressiven Erkrankungen anhand von Arbeitsunfähigkeit und den verordneten Medikamenten.
Das heißt, Depressionen nehmen zu?
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Mittwoch, 16.1.2008, 00:08:58 Uhr
Ein implantierter Neuro-Chip soll Menschen mit Depressionen helfen. Das nur wenige Zentimeter große Gerät dient zur Stimulation des Hirnnervs (Nervus vagus) und soll mit Hilfe von elektrischen Impulsen eine Stimmungsverbesserung erzielen. In den USA werden manchen Patienten schon länger solche Chips implantiert. Jetzt wurde das Verfahren von Medizinern des Universitätsklinikums Jena dort erstmals bei einer depressiven, etwa 50-jährigen Patientin angewandt.
Laut Aussage der Ärzte soll ein solcher Eingriff relativ klein sein: 'Wir implantieren eine Elektrode im linken Halsbereich mit einer direkten Verbindung zum Nerv und einem Impulsgeber im Achselbereich, die unter der Haut miteinander verbunden sind', erläutert der Neurochirurg Rupert Reichart. In bestimmten Abständen, die für jeden Patienten individuell festgelegt werden können, werden von dem System namens 'Neuro Cybernetic Prosthesis' (NCP) elektrische Signale an den Nerv weitergegeben. Auch deren Intensität kann variiert werden.
Welche Patientengruppen in Zukunft von dem neurochirurgischen Therapieansatz profitieren könnten, ist indes noch nicht vollständig geklärt. Zudem merken die Forscher an, dass Stimmungsveränderungen bei den Patienten erst nach etwa sechs Monaten nachweisbar seien. Bevor die Neuro-Implantate häufiger bei depressiven Menschen eingesetzt werden, wollen die Forscher die Wirkungsweise des Systems zunächst ausgiebig erforschen. In Jena ist es bisher bereits zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt worden.
Dienstag, 15.1.2008, 00:02:19 Uhr
Wer an einer dieser Erkrankungen leidet, hat ein erhöhtes Risiko für die andere
Depressive Menschen hätten ein erhöhtes Risiko, auch einen Diabetes mellitus zu entwickeln, und Diabetiker erkranken im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger an Depressionen. Darauf macht das Deutsche Diabetes-Zentrum aufmerksam.
Damit jedoch nicht genug. Die Gefahren für Folgekrankheiten des Diabetes seien bei depressiven Patienten auch noch erhöht. Denn es falle ihnen schwer, die erforderliche Therapie einzuhalten oder sich gesund zu ernähren. Dadurch schwanke bei ihnen der Blutzuckerspiegel oft erheblich und die Sterblichkeit liege höher.
Depressionen sollten bei Diabetikern daher besonders ernst genommen werden. Nach einer US-amerikanischen Studie gelinge eine angemessene Behandlung dann am besten, wenn Diabetologen, Psychiater und Psychotherapeuten eng zusammenarbeiten.
Montag, 14.1.2008, 00:20:45 Uhr
Arznei- plus Psychotherapie reduziert Sterberate in fünf Jahren um die Hälfte
PHILADELPHIA (mut). Bei Diabetikern lohnt sich nicht nur der Blick auf den HbA1c-Wert, sondern auch einer auf die Stimmung. Denn mit einer antidepressiven Therapie können Ärzte das Leben von depressiven Diabetikern deutlich verlängern.
Depressionen und Diabetes - diese beiden Krankheiten treten häufig zusammen auf. So kommen Depressionen bei Diabetikern etwa doppelt so oft vor wie in der übrigen Bevölkerung: Nach Schätzungen hat jeder fünfte bis jeder dritte Diabetiker in Deutschland eine Depression. Und depressive Diabetiker sterben besonders früh. Eine Therapie gegen Depressionen ist daher ebenso wichtig wie die antidiabetische Behandlung, berichten Ärzte aus Philadelphia in den USA.
Sie kommen zu diesem Schluss aufgrund einer Studie mit 584 Depressiven, die zu Studienbeginn alle älter als 60 Jahre waren. Von ihnen hatte etwa ein Fünftel Diabetes. Ein Teil der Depressiven erhielt eine antidepressive Therapie (Arznei plus Psychotherapie), die von einem Care-Manager überwacht wurde. Dieser betreute die Patienten intensiv, kontrollierte den Therapie-Erfolg und erkundigte sich nach unerwünschten Wirkungen. Bei den übrigen Patienten wurde den behandelnden Ärzten lediglich die Diagnose Depression mitgeteilt.
Das Ergebnis: Nach im Median 4,3 Jahren waren 29 Prozent der depressiven Diabetiker mit intensiver antidepressiver Therapie gestorben, ohne intensive Betreuung dagegen 45 Prozent. Wurden Faktoren wie Alter und Komorbiditäten berücksichtigt, so war die Sterberate in der Gruppe ohne intensive Therapie sogar doppelt so hoch. ...
Sonntag, 13.1.2008, 00:02:07 Uhr
Zur Milderung und Verhütung von depressiven und manisch-depressiven Episoden können Patienten mit Lithiumsalzen behandelt werden. Eine neue Studie der Charité-Universitätsmedizin Berlin zeigt jetzt, dass der Erfolg der Lithium-Therapie durch eine bestimmte Gen-Variante begünstigt wird.
Die Untersuchung wurde mit 81 akut depressiven Patienten durchgeführt, bei denen herkömmliche Antidepressiva nicht ausreichend wirkten. In einem Zeitraum von bis zu acht Wochen erhielten sie zusätzlich Lithium. Zudem wurde bei den Patienten ein Gen untersucht, das mit der Entwicklung und dem Überleben von Nervenzellen zusammenhängt und auch die 'innere Uhr' beeinflusst. Bei einigen Studienteilnehmern lag eine Variation des Gens vor. Diese Patienten sprachen mit einer Erfolgsquote von rund 56 Prozent wesentlich besser auf die Lithium-Therapie an, als Betroffene ohne Gen-Veränderung mit 31 Prozent.
Ein Gen-Test könnte in Zukunft die Wahrscheinlichkeit voraussagen, mit der Lithium dem Patienten hilft. Damit könnte eine maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Betroffenen entwickelt werden. Deshalb wird jetzt eine Folgestudie durchgeführt, bei der die Ergebnisse überprüft und neue genetische Faktoren identifiziert werden sollen.
Lithiumsalze (Phasenprophylaktika) wirken stimmungsausgleichend und werden als Medikamente vor allem bei manisch-depressiven Störungen eingesetzt. Bei Schädigungen von Herz, Niere oder anderen inneren Organen ist eine Lithium-Therapie problematisch, während Schwangerschaft oder Stillzeit sollte sie nicht angewendet werden. Außerdem kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen wie beispielsweise Übelkeit oder Schwindel kommen. Die Therapie sollte deshalb nur in enger Abstimmung mit Hausarzt und Psychiater durchgeführt werden.
Samstag, 12.1.2008, 00:52:19 Uhr
Kurze Tage, Schmuddelwetter – im Winter ist es mit dem sonnigen Gemüt nicht weit her. Vor allem Frauen leiden häufig unter dem so genannten Winterblues, einer depressiven Verstimmung.
Das beobachtet auch DAK-Ärztin Dr. Waltraud Pfarrer in ihrer Praxis: "In der dunklen Jahreszeit kommen mehr Menschen mit depressiven Verstimmungen zu mir. Antidepressiva sollten hier allerdings nur in Ausnahmefällen verschrieben werden." Offensichtlich sind sich Ärzte einig, denn aktuelle DAK-Daten machen deutlich: Die Verordnung von Antidepressiva sind im Winter nicht höher als zu anderen Jahreszeiten. "Die Vermutung, dass gerade im Winter solche Medikamente eher zum Einsatz kommen, können wir anhand unserer Abrechnungsdaten nicht bestätigen", sagt Dr. Stefanie Albers, Apothekerin bei der DAK. Generell handelt es sich beim Winterblues um eine harmlosere Variante der saisonal abhängigen Depression (SAD – Seasonal Affective Disorder). In südlichen Ländern ist die Anzahl der Betroffenen geringer, so kennt man in den Mittelmeerländern den Winterblues kaum. "Die genauen Ursachen sind noch unklar", erklärt Dr. Pfarrer. "Vermutlich spielt Mangel an Tageslicht und an Bewegung eine entscheidende Rolle. Der biologische Tagesrhythmus wird dadurch gestört."
Trotzdem gibt es wirkungsvolle Tipps, wie Sie glücklich durch den Winter kommen:
- Jeder Sonnenstrahl ist Gold wert. Werden Sie im Winter nicht zum Stubenhocker und gehen Sie so oft wie möglich an die frische Luft.
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Freitag, 11.1.2008, 00:12:44 Uhr
Warum sprechen manche Patienten mit Depressionen besser auf Lithium an als andere? Eine neue Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin zeigt, dass eine bestimmte Genvariation den Erfolg der Therapie begünstigt.
Die Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Biological Psychiatry erschienen ist, wurde mit 81 akut depressiven Patienten durchgeführt, bei denen Antidepressiva nicht ausreichend wirken. In einem Zeitraum von bis zu acht Wochen erhielten sie zusätzlich Lithium. Dies gilt zwar nicht als Antidepressivum, wirkt jedoch auch stimmungsausgleichend und wird vor allem bei manisch-depressiver Störung eingesetzt.
Darüber hinaus wurde bei den Patienten das Gen, das für das Enzym Glycogen Synthase 3-beta (GSK3B) zuständig ist, untersucht. Wies dieses eine Variation auf, sprachen die Studienteilnehmer nach vier Wochen mit rund 56 Prozent signifikant besser auf die Lithiumtherapie an als jene ohne diese Veränderung. Von ihnen haben im gleichen Zeitraum nur 31 Prozent positiv auf das Lithium reagiert.
Um diese ersten Ergebnisse zu bestätigen und weitere genetische Einflussfaktoren zu identifizieren startete an der Charité gerade eine Folgestudie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn und dem US-amerikanischen National Institute of Mental Health durchgeführt wird. Die Vision der Wissenschaftler: Ein Gentest könnte in Zukunft vorhersagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Lithium dem Patienten hilft. So könnte künftig eine maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Patienten entwickelt werden.
Donnerstag, 10.1.2008, 00:16:12 Uhr
Die Ausgaben für die psychotherapeutische Versorgung von Patienten mit depressiven Störungen haben sich in zehn Jahren von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 1994 auf 4,1 Milliarden Euro in 2004 erhöht.
Das seien inzwischen etwa 1,8 Prozent der Gesundheitsausgaben, sagte Professor Hans Joachim Salize vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, bei einer gemeinsamen Fachtagung des BKK Landesverbandes Bayern und der Gmünder Ersatzkasse (GEK) in München.
Etwa die Hälfte der Kosten für die Behandlung von Patienten mit depressiven Störungen entfallen auf die stationäre Versorgung. Weitere hohe volkswirtschaftliche Kosten entstehen durch Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Mortalität, sagte Salize. In der ambulanten haus- und fachärztlichen Versorgung liegen die Kosten eines an Depression Erkrankten bei jährlich etwa 4715 Euro, berichtete Salize über die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung auf der Grundlage von Daten einer großen Regionalkasse. Davon entfallen 2541 Euro auf die depressionsspezifische Behandlung und 2174 Euro auf somatische Komorbiditäten.
Nach Schätzungen von Fachleuten werden in Deutschland etwa 50 Prozent der an einer Depression Erkrankten nicht behandelt, erklärte Salize. Würden auch diese Menschen behandelt, sei mit einem weiteren Anstieg der Behandlungskosten zu rechnen.
Mittwoch, 9.1.2008, 00:13:12 Uhr
Nichts interessiert die Deutschen mehr als ihr Gemütszustand. „Wie geht’s?“ - so lautet die geläufige Frage am Anfang jeder Unterhaltung. Wer mit „Schlecht“ antwortet, stößt allerdings häufig auf Unverständnis.
„Traurigkeit und schlechte Stimmung sind in unserer modernen Spaßgesellschaft nicht gerne gesehen und werden lieber verschwiegen“, sagt Morad Ghaemi, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Bergheim bei Köln.
Das bedeutet freilich nicht, dass diese negativen Gefühle in Zeiten von allgemeinem Wohlstand nicht mehr da wären - im Gegenteil. Experten wie Ghaemi beobachten, dass psychische Erkrankungen sich immer mehr ausbreiten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts durchleben in Deutschland 15 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres eine depressive Phase.
Ein besonders häufiger Auslöser ist Stress im Beruf. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und gesteigerte Anforderungen wie hohe Flexibilität und Mobilität setzen viele Arbeitnehmer unter so massiven Leistungsdruck, dass sie irgendwann seelisch krank werden. Laut Bundesgesundheitsministerium zählen psychische Erkrankungen inzwischen zu den Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung - und dies, obwohl die Zahl der Krankschreibungen insgesamt zurückgeht: „Man kann dort in der Tat einen allgemeinen Rückzug verzeichnen - bei zeitgleich höherem Anteil psychischer Ursachen“, erläutert Ghaemi.
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Dienstag, 8.1.2008, 00:10:03 Uhr
Umfrage bei 250 Patienten und 500 Hausärzten
Depressive Patienten sollten wissen, dass körperliche Symptome wie Schmerzen oft Zeichen einer psychischen Erkrankung sind. Dieses Wissen kann den Therapieerfolg verbessern.
"Schmerzen vermindern die Heilungschance bei depressiven Patienten", sagte Dr. Barry Cole von der American Society of Pain Educators. Viele depressive Patienten stellen sich beim Hausarzt zunächst mit Schmerzen vor, der Zusammenhang zu einer Depression werde zunächst häufig übersehen. Dabei sei die Dysregulation der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin sowohl mit der Entstehung von Depressionen verknüpft als auch mit der von Schmerzen. Denn das körpereigene System der endogenen Schmerzhemmung wird maßgeblich über die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin vermittelt, sagte Cole bei einer Veranstaltung der World Organisation of Family Doctors (WONCA) sowie der World Federation for Mental Health (WFMH) in Paris.
Nach Angaben der beiden Organisationen schildern zwei Drittel der Patienten mit Depressionen auch körperliche Beschwerden, zum Beispiel Schmerzen.
WONCA und WFMH haben mit Unterstützung der Unternehmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim über 250 Erwachsene mit Depressionen sowie mehr als 500 Hausärzte in fünf Ländern zu psychischen Symptomen und körperlichen Beschwerden befragt. Demnach sehen mehr als zwei Drittel der Hausärzte mit Erfahrung in der Depressionstherapie Belege für einen Zusammenhang zwischen Schmerzen und Depressionen. 85 Prozent glauben, dass dieses Wissen die Diagnose erleichtere. 63 Prozent befürchten, bei Patienten, die sich mit Schmerzen in der Praxis vorstellen, eine Depression zu übersehen. Von den befragten Patienten, die den Zusammenhang verstanden hatten, gaben 91 Prozent an, sie hätten sich aufgrund dieses Wissens schneller erholt. Dagegen glauben nur 61 Prozent der Patienten, die den Zusammenhang nicht verstehen, dass die Verbindung körperlicher Symptome mit ihrer Depression Auswirkungen auf die Genesungsgeschwindigkeit habe. ...
Montag, 7.1.2008, 00:43:12 Uhr
Infos für Patienten helfen bei der Therapie / Aktuelle Anwendungsbeobachtung
Psychosoziale Betreuung und eingehendes Wissen über ihre Erkrankung kann die Compliance von Patienten mit psychiatrischen Krankheiten und die Wirksamkeit der Therapie verbessern. Dies hat jetzt eine Anwendungs- beobachtung bei depressiven Patienten ergeben.
In 683 vorwiegend neurologischen Praxen wurden 1910 Patienten mit Depressionen zwölf Wochen lang mit dem selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) Sertralin beta behandelt, berichtete Dr. Wolfgang Niedermaier vom Unternehmen betapharm.
Gleichzeitig erhielten knapp zwei Drittel der Patienten den Patientenratgeber "Depression & Soziales", so Niedermaier auf einer Veranstaltung des Unternehmens beim DGPPN-Kongress in Berlin. Der Ratgeber enthält ausführliche Informationen über den Umgang mit Depressionen und über soziale Aspekte wie Arbeitsunfähigkeit, finanzielle Leistungen, Schwerbehinderung und Rehabilitationsmaßnahmen. Der Ratgeber unterstützt Ärzte bei der psychosozialen Betreuung der Patienten.
Patienten, die den Ratgeber erhalten hatten, nahmen das Medikament signifikant häufiger bis zum Ende der Beobachtungszeit ein, sagte Niedermaier. Die Abbruchraten betrugen mit Ratgeber 5 Prozent, ohne Ratgeber dagegen 10,7 Prozent. Auch die Wirksamkeit der Therapie wurde bei Patienten, die den Ratgeber erhalten hatten, häufiger als sehr gut oder gut beurteilt (94 versus 91 Prozent). ...
Sonntag, 6.1.2008, 03:32:57 Uhr
Bereits seit geraumer Zeit setzt man Patienten mit Parkinson oder schweren Depressionen einen "Hirnschrittmacher" ein – ein Gerät, dass bestimmte Regionen im Hirn regelmäßig elektrisch stimuliert. Man hatte herausgefunden, dass diese "Deep Brain Stimulation" (DBS) die Symptome erheblich lindern konnte, war sich aber über die genaue Funktionsweise im unklaren, weshalb es mindestens ein Dutzend Theorien dazu gibt.
Nun erschien in der Fachzeitschrift Nature Medicine ein Aufsatz, der zeigt, dass das Signalmolekül Adenosin dabei offenbar eine wichtige Rolle spielt: Ein Forscherteam um Lane Bekar und Witold Libionka fand zuerst heraus, dass bei der DBS das Molekül Adenosintriphosphat (ATP) freigesetzt und danach gespalten wurde. Versuche mit Mäusen ergaben anschließend, dass die Injektion von Adenosin die gewünschten Effekte auch ohne DBS erzeugen konnte. Eine Blockade der Adenosin-Rezeptoren bei Mäusen hatte dagegen zur Folge, dass bei diesen Tieren DBS nicht mehr funktionierte.
Ein schwächerer aber grundsätzlich ähnlicher Effekt ergab sich, als den Mäusen Koffein verabreicht wurde. Koffein blockiert Adenosinrezeptoren, weshalb die Substanz auch beim Wachbleiben hilft. Über die Erklärung der Wirkungsweise von DBS hinaus haben die Ergebnisse der Studie deshalb auch Bedeutung für die Erforschung der Rolle von Schlafentzug und medikamentös erzwungenem Wachbleiben bei der Entstehung von Krankheiten im Hirn.
Samstag, 5.1.2008, 00:01:50 Uhr
Depressionen der Mutter wirken sich auf die Kinder schon in jungen Jahren aus. Der Nachwuchs von depressiven Frauen ist anfälliger für Verhaltensprobleme und für Verletzungen, wie eine US-Studie an Kindern bis zum Alter von fünf Jahren zeigt.
Kinder von stark depressionsgefährdeten Müttern haben demnach mehr als doppelt so oft eine behandlungsbedürftige Verletzung wie der Nachwuchs von Frauen ohne Depressionsneigung. Auch Verhaltensprobleme waren bei diesen Kindern häufiger, wie die Kindermediziner aus Cincinnati in der Zeitschrift «Injury Prevention» berichten. Dieser Zusammenhang trat unabhängig vom Bildungsstatus der Mutter und vom Haushaltseinkommen auf und war bei Jungen stärker ausgeprägt als bei Mädchen.
Die Forscher, die die Daten von mehr als 1.100 Müttern und deren Kindern untersuchten, vermuten, dass eine Depression der Mutter das Verhalten eines Kindes beeinflusst und dadurch das Verletzungsrisiko erhöht. Möglich sei auch, dass eine Depression die Fähigkeit der Mutter beeinträchtige, auf ein Kind aufzupassen oder Gefahrenquellen im Haushalt zu entschärfen.
Freitag, 4.1.2008, 00:07:08 Uhr
Der so genannte Winter-Blues ist der Klassiker der saisonalen Depressionen, kurz SAD. Wobei allein schon diese Abkürzung für sich spricht: „sad" ist das englische Wort für traurig oder kummervoll. In der Tat spielt der Winter-Blues in tristem Moll auf, wobei er meist im nass-kalten November (manchmal auch Oktober) beginnt.
Wie es beim Standard-Blues in der Musik nun mal der Fall ist, ist auch die Melodie des Winter-Blues' von einer gewissen Eintönigkeit geprägt. Betroffene sprechen von einem Einbruch der Stimmung, der übrigens bereits von Ärzten im antiken Griechenland beschrieben wurde - und das ist immerhin mehr als 2.000 Jahre her.
Der Tag eines depressiv verstimmten Menschen beginnt häufig bezeichnenderweise mit dem Morgengrauen. Er wird von quälenden Gedanken aus dem Schlaf gerissen, fürchtet sich vor dem neuen Tag und fühlt sich den Aufgaben, die er zu erledigen hat, nicht gewachsen. Insgesamt traut man sich kaum mehr etwas zu. Die Stimmung kann sich im Laufe des Tages zwar etwas aufhellen, dennoch bleibt immer eine gewisse Grundtristesse.
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale eines Winter-Blues' sind Müdigkeit, undefinierbare Energielosigkeit bis Schwäche, sozialer Rückzug, Niedergeschlagenheit, innere Leere und sexuelles Desinteresse. Dabei kann der Klang des Winter-Blues' auch durchaus aggressivere Töne anschlagen und zeigt sich dann in Form von Nervosität und Reizbarkeit.
Nicht selten zieht die melancholische Melodie ferner den Körper in ihren Bann: Heißhunger auf Süßigkeiten, Teigwaren oder ähnliches sind keine Seltenheit. In den wärmeren, sonnenreicheren Monaten (ab Februar bis März) klingt der Blues dann allmählich aus - und eben dieser zeitlichen Verlaufsform verdankt der traurige WinterBlues seinen Namen. ...
Donnerstag, 3.1.2008, 05:50:47 Uhr
Das Wissen in der Bevölkerung über psychische Erkrankungen wie Depressionen und Schizophrenie hat in den vergangenen Jahren zwar deutlich zugenommen. Auch werden psychische Erkrankungen nicht mehr so negativ bewertet wie noch vor 20 Jahren. Doch die Einstellung zu den Patienten bleibt von Skepsis geprägt.
"Der Wunsch, sich von psychisch Kranken zu distanzieren, hat sogar deutlich zugenommen", sagte Professor Matthias Angermeyer aus Leipzig bei einem Symposium des Unternehmens Lundbeck.
Angermeyer hat Repräsentativerhebungen seit Anfang der 90er Jahre zu Einstellungen Erwachsener in Deutschland ausgewertet und folgende Trends festgestellt: Depressionen und Schizophrenien werden heute häufiger als solche erkannt, die Psychopharmaka-Therapie stößt auf weniger Ablehnung und die Beliebtheit der Psychotherapie hat noch zugenommen. Zugleich habe damit aber nicht automatisch das Verständnis für die Patienten zugenommen, so Angermeyer.
Mittwoch, 2.1.2008, 00:07:52 Uhr
Unter Depressionen leidende Menschen sollten ihre Medikamente auch dann weiter nehmen, wenn sie sich besser fühlen. Aus Angst vor einer Abhängigkeit würden Betroffene häufig ihre Antidepressiva eigenmächtig viel zu früh absetzen, so die in München erscheinende «Gesundheitszeitung» (Ausgabe 12/2007). In der Folge erhöht sich das Risiko eines Rückfalls stark. Betroffene sollten deshalb die Therapie auch dann noch ausreichend lange fortsetzen, wenn sie sich gesund fühlen. Das bedeutet, die verordneten Medikamente mindestens noch sechs Monate lang nach Beendigung der eigentlichen Depression mit unveränderter Dosierung einzunehmen.
Dienstag, 1.1.2008, 00:39:06 Uhr
Ausgewogene Ernährung kann die Stimmung im Winter deutlich heben. Wer unter Depressionen leidet kann Fisch, Haferflocken, die den stimmungsaufheller Zink, oder Bananen, die wiederum das Glückshormon Serotonin enthalten, vermehrt verzehren.
Zusätzlich empfehlen die Apotheker, auf natürliche Wirkstoffe wie Johanniskraut oder Gesundheitstees zurückzugreifen. Empfehlenswert im Kampf gegen die Winterdepression sind auch wechselwarme Fußbäder oder lange Spaziergänge.
Bundesweit leiden nach Angaben der Apothekerkammer etwa 800.000 Menschen an einer Herbst- und Winterdepression. Die anhaltenden Stimmungstiefs werden insbesondere von Lichtmangel ausgelöst, durch den der Hormonhaushalt ins Wanken gerät. Die Folge sind andauernde Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit.
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