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Montag, 31.12.2007, 18:01:14 Uhr

Meine Frau sass nur noch im Sessel


Jede vierte Person über 65 leidet an einer Depression. Oft werden die Symptome falsch gedeutet - die Folgen können gravierend sein: In keiner anderen Alterskategorie ist die Suizidrate derart hoch.

«Rosalie lachte nicht mehr, wenn die Enkelinnen zu Besuch kamen. Sie wirkte ernster, in sich gekehrt.» Schon im vergangenen Sommer war Hans Wymann aus Zürich aufgefallen, dass sich seine Frau verändert hatte. Damals schrieb er das ihren starken Rückenschmerzen zu. Doch nach einer mehrstündigen Rückenoperation mit anschliessendem Aufenthalt in einer Rehaklinik ging es psychisch weiter bergab. «Meine Frau kümmerte sich immer weniger um den Haushalt - zuletzt sass sie nur noch im Sessel. Sogar was im Fernsehen lief, interessierte sie nicht mehr.» Hans Wymann fühlte sich rat- und hilflos. Seine Tochter, eine Pflegefachfrau, vermutete dann, dass ihre 80-jährige Mutter an einer Depression litt.

Nicht einfach lebensmüde
Sie ist eine von vielen: Fachärzte gehen davon aus, dass etwa jede vierte Person über 65 Jahren an einer Depression leidet. Und weit mehr als die Hälfte der Altersdepressionen werden nicht angemessen untersucht und behandelt. Ein Grund dafür ist, dass die Depressionssymptome nicht als solche erkannt, sondern als Teil des normalen Alterungsprozesses betrachtet werden. Verliert ein 70-jähriger Mensch das Interesse an seinen Hobbys und zieht sich von den Familienangehörigen zurück, dann heisst es oft: «Er wird halt älter.» Das Umfeld kommt gar nicht auf die Idee, dass die betroffene Person depressiv sein könnte. Das ist ein grosses Problem: Unbehandelte Depressionen werden oft chronisch.



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Montag, 31.12.2007, 17:49:41 Uhr

Schwere Depressionen werden jetzt wegoperiert


Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Trübsinn: Eine schwere Depression ist eine ernste Erkrankung. Die Betroffenen suchen oft vergeblich nach Hilfe, denn wirkungsvolle Therapien sind rar. In hoffnungslosen Fällen implantieren Hirnchirurgen jetzt ein Stimulationsgerät in der Größe einer Uhr.

Das Leiden von Menschen mit schwersten Depressionen ist immens: Folgen sind unter anderen Freudlosigkeit und fehlenden Energie, oft bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Auch für Angehörige ist die Krankheit eine große Belastung. Entsprechend groß ist der Wunsch vieler Patienten, eine wirksame Hilfe gegen die psychische Erkrankung zu finden.

Bei therapieresistenten Depressionspatienten setzten jetzt Psychiater des Uniklinik Jena (UKJ) gemeinsam mit den Neurochirurgen auf ein operatives Verfahren: Mit der Implantation eines elektrischen Stimulationsgerätes soll den Patienten endlich geholfen werden. Vor wenigen Tagen wurde das Verfahren bei einer 50-jährigen Patientin, die seit vielen Jahren an schweren Depressionen leidet, erstmals angewendet.
"Das eingesetzte Gerät von der Größe einer Uhr bewirkt über eine Stimulation des Nervus vagus eine Stimmungsverbesserung", erklärt der Jenaer Psychiater Prof. Karl-Jürgen Bär die Wirkungsweise. Allerdings sei diese Veränderung erst nach etwa sechs Monaten zu beobachten.
In den USA wird das Verfahren bereits seit mehreren Jahren angewendet. Allerdings kommt das OP-Verfahren nur für eine kleine Gruppe der schwerstdepressiven Patienten in Frage. Bär: "Es wird zudem noch Zeit vergehen, bis wir die genaue Wirksamkeit des Verfahrens abschätzen können." Ebenso sei im Moment noch unklar, welche Patientengruppen von diesem Verfahren profitieren.

Das sogenannte Neuro Cybernetic Prosthesis-System (NCP) wird in Jena bereits erfolgreich in der Behandlung der Epilepsie eingesetzt. "Der Eingriff ist relativ klein", erklärt der Neurochirurg Rupert Reichart. "Wir implantieren eine Elektrode im linken Halsbereich mit einer direkten Verbindung zum Nerv und einen Impulsgeber im Achselbereich, die unter der Haut miteinander verbunden sind", so Reichart. Dabei werden dann in bestimmten Abständen elektrische Signale an den Nerv übermittelt, der mit dem limbischen System im Gehirn verbunden ist und dort die für Stimmungen relevanten Regionen beeinflusst. Die Programmierung der elektrischen Stromstöße kann vom Arzt hinsichtlich der Stimulationsrate, der Stimulationsdauer und auch der Stimulationsstärke individuell eingestellt werden.
...


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