FamilientherapieDiese Art der Therapie geht davon aus, dass jeder
Mensch in einem Geflecht aus Beziehungen lebt und er ohne diese Beziehungen Störungen
erleidet. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen, wird
klar, dass die Symptome der Krankheit nicht ohne seine Familie und den anderen
Beziehungen gelöst werden können. Eine Änderung der Krankheit kann
deshalb, so in der Theorie, nur durch eine Veränderung in der Familie stattfinden. Diesen
Ansatz verfolgt sehr konsequent die systemische Therapie. Die Symptome
des Patienten werden hier als Symptom der ganzen Familie verstanden. Wenn der
Familie es gelingt, einen anderen Umgang miteinander zu haben, so verliert auch
der Patient seine Symptome. Eine Familientherapie ist auch sinnvoll, damit
man depressiven Menschen und deren Angehörigen den Umgang mit der Krankheit
näher bringen kann. Die Krankheit ist nicht nur eine Last für den Patienten
selbst, sondern auch für seine Angehörigen. Diese fühlen sich oft
angegriffen, überflüssig, ausgestoßen oder überbeansprucht.
Gleichzeitig baut sich ein Gefühl auf, von der Krankheit überschwemmt
zu werden, eine Angst des Verlustes oder Ärger über den Patienten. Dadurch
fühlt sich der Patient noch weiter abgelehnt, überflüssig, wertlos
oder sogar gehasst. Eine familientherapeutische Sitzung solle diesen Teufelskreis
aufbrechen, so daß beide Seiten einander verstehen und wieder aufeinander
zugehen. Es wird die Kommunikation geübt und nach Lösungen für
Probleme gesucht. Familientherapeutische Behandlungen, bei denen alle Familienmitglieder
anwesend sind, sind meist sehr kurz. Meist umfassen sie lediglich sechs bis zwölf
Sitzungen in ziemlich unregelmäßigen Abständen. Die Familientherapie
gehört nicht zu den so genannten Richtlinienverfahren. Sie wird in Kliniken
und Beratungsstellen häufig angeboten. Die Familientherapeutischen Elemente
finden sich auch in vielen verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologischen
Verfahren und werden deshalb von der Krankenkasse übernommen. |