Umgang mit Angst und Panik
Wenn Sie bereits wissen,
daß Sie an einer Angststörung leiden, möchten
Sie natürlich wissen, wie Sie sich verhalten sollen und
was Sie dagegen tun können.
Hier einige Tipps:
Informieren Sie sich
Wichtig ist es, den Feind zu kennen, um ihn zu überwinden.
Und da Sie gerade hier lesen, tun Sie das ja bereits: Sie
lernen den Feind kennen. Versuchen Sie, so viel wie möglich
über "Ihre" Angst zu erfahren, beispielsweise
aus dem Internet, Büchern oder vom Arzt. Vielleicht erkennen
Sie dann, woher die Angst kommt und was dagegen zu tun ist.
Akzeptieren Sie Ihre Angst
Angst hat jeder Mensch, der eine mehr, der andere weniger.
Die Angst ist ein natürliches Gefühl, das uns vor
gefährlichen Situationen beschützen soll. Wahrscheinlich
ist sie sogar dafür verantwortlich, daß sich die
menschliche Rasse über zehntausende von Jahren weiterentwickeln
konnte.
Bei Ihnen jedoch scheint die "normale" Angst aus
dem Ruder gelaufen zu sein. Sie empfinden bestimmte Situationen
oder Dinge oder Menschen als "dauergefährlich",
was normalerweise aber nicht den Tatsachen entspricht. Sie
reagieren also quasi richtig, indem Sie Angst haben, aber
leider auf die falschen Reize.
Verstehen Sie die Auswirkungen der Angst
Kennen Sie Sprüche wie "Mir bricht der Schweiß
aus" oder "Mir rutscht das Herz in die Hose"
oder "Vor Angst zittern"? Diese Sprüche beschreiben
die Auswirkungen von Angst.
Angst kann sich also nicht nur psychisch äußern,
auch körperlich zeigt sie Symptome.
Zu diesen körperlichen Symptomen gehören u.a.:
- Schweißausbrüche
- Nervosität
- Kopfschmerzen
- Herzbeschwerden
- Schlafstörungen
- Schwindel
- Nackenverspannungen
- Sprechprobleme
- Luftnot
- Gliederschwäche
- Durchfall bzw. Verdauungsstörungen
Zeitgleich mit dem ersten Auftreten der Angst beginnt leider
meist eine lange Krankheitsgeschichte. Sie sollten also unbedingt
möglichst früh zu einem Arzt, um gleich zu Beginn
das Bestmögliche gegen Ihre Angst zu bekommen.
Der Arzt wird Sie wahrscheinlich erst auf körperliche
Ursachen für Ihre Symptome hin untersuchen, und wenn
er Sie eigentlich für körperlich gesund hält,
wird er sich Ihrer Psyche widmen und anhand Ihrer Beschreibungen
bald auf die Angststörung zu sprechen kommen. Wichtig
ist aber vor allem, daß nicht nur die Auswirkungen Ihrer
Angst behandelt werden, sondern die Angst selbst!
Weiterleben trotz Angst
Natürlich ist es schwer, trotz der Angst so weiterzuleben,
daß der Alltag weiterhin geschafft wird. Unser Tipp:
Akzeptieren Sie Ihre Angst und lassen Sie sie zu. Aber lassen
Sie sich nicht von der Angst lähmen. Nutzen Sie also
Ihre Energie nicht dazu, gegen die Angst anzukämpfen,
verwenden Sie sie, um das zu tun, was der Alltag von Ihnen
fordert. Sie werden nach einer Weile sehen, daß die
Auswirkungen der Angst, wie Sie sie sich vorstellen, meist
nicht eintreten werden.
Vielleicht bemerken Sie ja dann, daß Ihre Angst eigentlich
unbegründet ist. Vielleicht der erste Schritt zur Heilung!
Für die Furchtlosen unter den Ängstlichen: Gezieltes
Aussetzen mit den Angstauslösern
Angst, jede Angst, kann man nicht durch Lesen und Reden aus
der Welt schaffen. Besser ist es, sich der Angst zu stellen.
Auch wenn Sie vielleicht im Moment nichts damit anfangen können:
Am Besten ist es, sich konkret dem Angstauslöser zu stellen.
Beispiel: Sie leiden unter einer Angst vor Spinnen,
der Arachnophobie.
Nun könnten Sie ja Ihr Leben lang allen Spinnen der Welt
aus dem Weg gehen und wenn Sie doch mal eine "treffen"
sollten, in Panik verfallen.
Besser wäre es jedoch, Sie nehmen Ihren Bruder, Ihre
Schwester, Ihren Partner oder Freund/in mit zu einer Situation,
in der Sie mit Spinnen konfrontiert sein werden. Vielleicht
merken Sie ja dann, daß eigentlich keine Gefahr von
Spinnen ausgeht. Dies können Sie so lange üben,
bis Sie Spinnen sehen können, ohne die Panik zu bekommen.
Es ist hier nicht die Rede davon, daß Sie Spinnen anfassen
sollen. Aber Sie "gewöhnen" sich an das, was
Ihnen Angst bereitet. Eine weitergehende Therapie erfolgt
dann später bzw. zeitgleich beim Therapeuten.
Sie werden merken, daß Sie plötzlich wesentlich
mehr Energie zur Verfügung haben werden, da ja quasi
der Anteil der Energie, der durch Angst und deren Unterdrückung
"verbraten" wurde, jetzt wieder frei wird.
Aber Vorsicht: Machen Sie keine gefährlichen Dinge
und schon gar nicht alleine!
Menschen mit Höhenangst sollten also nicht einfach mal
so auf einen Berg steigen, um sich an die Höhe zu gewöhnen.
Was passiert, wenn die Angst Sie übermannt und Sie zusammenbrechen?
Also immer langsam anfangen und mit einem Partner, der Ihnen
helfen kann, wenn Sie sich nicht mehr helfen können!
Beginnen Sie Ihr Training gegen die Angst - Jetzt!
Wie oben erwähnt wurde, ist es wichtig, etwas gegen
die Angst zu tun.
Leider neigt der Mensch dazu, sich allzu gerne Ausreden parat
zu legen, daß man dies auf einen späteren Zeitpunkt
legen kann. "Wenn es mir etwas besser geht, dann tue
ich was
" oder "Im Moment bin ich zu schwach
"
sind so typische Ausreden. Das Problem ist bloss: Ihnen wird
es nicht besser gehen, wenn Sie nichts tun! Warten Sie also
nicht, bis es Ihnen besser geht, sondern tun Sie etwas, damit(!)
es Ihnen besser geht!
Legen Sie Ihr Programm fest
Auch kleine Dinge wie Spazierengehen oder Einkaufen sollten
auf eine Trainingsliste, die Sie konsequent abarbeiten sollten.
Tun Sie das nicht, werden Sie immer wieder Ausreden finden,
dies und jenes gerade jetzt nicht zu tun, sondern später.
Versuchen Sie, genaue Trainingsziele zu formulieren. Also
keine Wischi-Waschi-Ziele, wie "Ich muß öfters
raus unter Menschen", sondern besser "Am Freitag
gehe ich um 20 Uhr ins Kino". Überwinden Sie so
Ihren inneren Schweinehund.
Führen Sie ein Tagebuch
Manche Phobiker erkennen ja leider nicht die Zusammenhänge
von Auslösern und Wirkung ihrer Erkrankung. Führen
Sie also ein Angsttagebuch, in dem Sie aufschreiben, wann
Sie einen Angstanfall bekommen haben und was vorher passiert
ist. So bemerken Sie vielleicht den Zusammenhand mit alltäglichen
Situationen und der daraus entstandenen Angst.
Haben Sie Geduld mit sich
Eine Angststörung vergeht nicht von heute auf morgen!
Es wird vielleicht lange Zeit brauchen, bis Sie die Angst
hinter sich lassen können.
Nicht aufgeben
Auch wenn es einmal Rückschläge gibt: Machen Sie
weiter! Die Angst ist heimtückisch und überfällt
Sie vielleicht manchmal in Situationen, in der Sie nicht darauf
vorbereitet sind. Aber sehen Sie das durchaus als gutes Zeichen:
Beim nächsten Mal werden Sie darauf vorbereitet sein!
Vorsicht Falle - Immer wieder über die Angst reden
Es genügt vollkommen, wenn Sie einer Person gegenüber
Ihre Angst erwähnen. Erklären Sie aber nicht bis
ins kleinste Detail, was dann mit Ihnen passiert. Warum? Nun,
durch das immer wiederkehrende "Durchkauen" Ihrer
Angst reden Sie sich selbst wieder in die Angst hinein. Sie
polen sich quasi wieder auf "Angstopfer" anstatt
weiterhin den Weg der Gesundung zu gehen.
Positiv denken!
Ja, klar, das schreibt der Autor jetzt so einfach
Aber mal im Ernst: Wenn Sie sich immer wieder vormachen, der
Angst zu unterliegen und dagegen nichts tun zu können,
dann werden Sie Ihre Angst nie los.
Leider gibt es bei Phobikern einen Quasi-Automatismus, der
das Gehirn immer wieder in die Richtung lenkt, sich über
die Angst den Kopf zu zermartern. Dies ist natürlich
nicht gut, wenn Sie die Angst überwinden wollen! Beispiele
für solche Gedanken sind z.B. "Ich bin verrückt",
"Ich habe die Kontrolle verloren" oder "Das
packe ich nicht". Wenn solche Gedanken auftreten, sagen
Sie sich STOPP, entweder innerlich oder auch in gesprochener
Form und wenden Sie sich positiven Gedanken zu wie "Ich
schaffe das" oder "Ich bin nicht verrückt,
sondern ich habe eine Angst wegen
, die ich in den Griff
bekommen werde".
Wenn's zu schlimm wird - Gehen Sie an Ihren Ort der Ruhe
Jeder von uns hat oder hatte in seinem Leben einen oder mehrere
Orte, an denen er sich wohl und behütet fühlte.
Das kann Omas Küche gewesen sein, der große Baum
im Wald nebenan oder was auch immer. Versuchen Sie sich also
im Geiste (oder vielleicht auch real) an diesen Ort zu begeben.
Lassen Sie dann die Ruhe und die Geborgenheit in sich strömen,
Sie werden merken, daß die Angst zurückweicht.
Ein Beispiel eines Bekannten, das dieser immer bei seiner
Tochter angewandt hat, war folgendes:
Wenn sie wieder einmal abends nicht einschlafen konnte aus
Angst vor der Schule, den bösen Klassenkameraden oder
sonstigem, setzte er sich an ihren Bettrand und sagte ihr:
"Stell dir vor, du liegst auf einer Wiese. Die Sonne
scheint, der Himmel ist blau, es gibt keine Wolken am Himmel.
Du spürst die Wärme auf deiner Haut, du spürst,
wie das Gras dich kitzelt. Du riechst den Duft der Blumen
um dich herum, du hörst die Vögel zwitschern. Sonst
hörst du nichts, es ist ruhig. Auch du bist ruhig, du
hast keine Angst mehr. Du guckst um dich, niemand und nichts
ist da, das dir Angst machen kann. Du hörst nur den Wind,
die Vögel und bist völlig ruhig."
Diese Wiese gab und gibt es übrigens immer noch, auch
die Vögel, die Blumen und den Wind
Zugegeben, das hört sich vielleicht jetzt eher kindisch
an, tatsächlich schlief die Tochter aber immer nach einigen
Minuten ein.
Wichtig ist, daß Sie Ihre innere Ruhe finden und daß
Sie wissen, daß nicht alles auf der Welt böse ist!
Denken Sie bei Ihrem nächsten Angstanfall daran, es wird
Ihnen helfen.
Leben Sie gesünder und treiben Sie Sport
Viele Phobiker haben Angst davor, daß ihr Körper
unter der Angst leidet.
Beweisen Sie sich das Gegenteil: Natürlich können
Sie etwas leisten und Ihr Körper ist gar nicht so übel
beieinander, wie Sie immer befürchtet haben! Aber bitte
nicht von jetzt auf gleich einen Marathon laufen, das schafft
wahrscheinlich niemand
Meiden Sie Cola, Alkohol, Kaffee und Tee. Darin enthalten
sind Stoffe, die Ihnen nicht gut tun, weder körperlich
noch geistig. Koffein und Tee, Alkohol usw. versetzen den
Körper in Aufregung, die wiederum zur Angst werden kann.
Das Rauchen sollten Sie übrigens auch besser sein lassen.
Medikamente nur vom Arzt
Versuchen Sie bitte nicht, sich selbst zu behandeln, schon
gar nicht mit verschreibungspflichtigen Medikamenten! Das
kann böse ins Auge gehen! Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden
Arzt ab, welche Präparate und in welcher Dosierung Sie
die Medikamente einnehmen sollten.
Beruhigungsmittel nur kurzfristig
Natürlich können sich Beruhigungsmittel positiv
auf Sie auswirken. Auf lange Zeit eingenommen vermeiden sie
aber möglicherweise, daß Sie mit einer Behandlung
Ihrer Angst beginnen.
Deshalb: Beruhigungsmittel ja, aber bitte nur zu Beginn der
Behandlung. Dann "richtige" Hilfsmittel anwenden
wie Therapie oder sonstiges.
Gehen Sie weg von der Opferrolle
Phobiker reden sich ja oft ein, das Opfer der Krankheit zu
sein oder das Opfer der Umstände.
Tun Sie das nicht! Übernehmen Sie die Hauptrolle in Ihrem
Leben und gestalten Sie es selbst!
SIE sind der Regisseur Ihres Lebens, gestalten Sie Ihr Leben
also so, daß es für Sie angenehm ist! Tun Sie etwas
gegen Ihre Angst!
Tun Sie etwas für Ihr Selbstvertrauen
Es ist ja klar, daß im Laufe einer Angsterkrankung
das Selbstvertrauen schwindet. Tun Sie etwas dagegen: Planen
Sie in kleinen Schritten Unternehmungen, in denen Sie bestehen
werden. Nehmen Sie sich vor, ins Kino zu gehen und gehen Sie
auch wirklich dahin! Schreiben Sie Ihrer Freundin einen Brief,
gehen Sie schwimmen, machen Sie Sport - was auch immer
Zeigen Sie sich, daß Sie alles tun können, was
Sie möchten! Und ganz wichtig: Lernen Sie auch
einmal NEIN zu sagen, wenn jemand etwas von Ihnen will, was
Sie nicht tun wollen.
Eine körperliche Untersuchung ist wichtig!
Wenn Sie Angst davor haben, daß Sie körperlich
krank sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser sollte
Sie gründlich untersuchen, ob wirklich alles o.k. ist,
Sie sollten aber nicht ständig zu ihm hingehen. Wenn
Sie körperlich gesund sind, wird Sie dieses Wissen beruhigen.
Sie haben die Gewissheit, daß organisch alles in Ordnung
ist.
Analysieren Sie selbst Ihre Angst
Nach jedem Angstanfall sollten Sie sich die Zeit nehmen,
die Auslöser und vor allem auch die Ursachen dafür
zu bestimmen. Vielleicht finden Sie heraus, daß sich
in den letzten Wochen oder Monaten bestimmte Dinge angesammelt
haben oder daß vor kurzer Zeit etwas passiert ist, daß
eine solche Reaktion ausgelöst hat. Am besten führen
Sie dazu einen Kalender oder ein Tagebuch.
Nicht passiv bleiben
Stresshormone sammeln sich im Laufe der Zeit im Körper
an. Am besten ist es, wenn Sie sich viel bewegen und Sport
treiben, da dann diese Hormone vom Körper wieder abgebaut
werden.
Zudem hilft Sport, den Körper zu trainieren. So wird
zum Beispiel der Gleichgewichtssinn trainiert, der ja auch
etwas mit dem Schwindel zu tun hat.
Auch während einer Angstattacke sollten Sie sich bewegen,
also zum Beispiel hin- und hergehen, damit der Körper
seine Anspannung verliert.
Achten Sie auf die Umgebung
Während einer Angstattacke sollten Sie Ihre Umgebung
beobachten, damit Sie sich von der Angst geistig abwenden
können. Behalten Sie also Menschen oder Tiere, Autos
oder Häuser im Auge.
Ziele verfolgen
Wenn Sie bemerken, daß eine Angstattacke sich naht,
sollten Sie an etwas denken, das sie gerne tun oder an Dinge,
die Sie noch erledigen müssen. Auch so können Sie
sich von der Panik etwas ablenken.
Ziehen Sie sich nicht allzu lange zurück
Versuchen Sie, sich nicht allzu lange aus dem sozialen und
beruflichen Leben zurückzuziehen. Dies wiederum würde
zu einem Vermeidungs- bzw. Fluchtverhalten führen.
Wichtiger ist es, daß Sie weiterhin unter Menschen kommen,
so daß Sie zum einen den Anschluss nicht verlieren und
zum anderen sich durch positive Erlebnisse selbst stärken.
Zudem können überstandene negative Erlebnisse ebenfalls
zur Gesundung beitragen.
Beschäftigen Sie sich mit dem Tod
Wenn Sie ständig Angst vor dem Tod haben, dann sollten
Sie sich in guten Zeiten mit dem Tod beschäftigen. Dieses
Beschäftigen mit dem Tod sollte aber nicht in der Form
vonstatten gehen, daß Sie sich Horrorfantasien ausmalen,
sondern es sollten nur die tatsächlichen Folgen durchdacht
werden. Warum haben Sie Angst davor zu sterben, welche Ziele
wollen Sie noch erreichen oder was wäre zu regeln?
Die Ursachen der Ängste erkennen
Wenn für Sie klar ist, daß die Symptome ausgelöst
werden durch zum Beispiel Konflikte in der Familie, der Partnerschaft
oder am Arbeitsplatz, sollten Sie daran arbeiten, daß
baldmöglichst eine Klärung herbeigeführt wird.
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